Jetzt schätzen lassen

Die Arbeit von Katharina Grosse gehört zu den derzeit wichtigsten Positionen der Gegenwartskunst. Mit ihren überraschenden und gigantischen Farbinterventionen an prominenten Orten hat sie sich weltweit einen Namen gemacht. Es ist zum Markenzeichen ihrer Malerei geworden, dass sie die Regeln und Grenzen künstlerischen Handelns neu definiert. In einem Interview mit 3sat sagte sie dazu:

„Ich war immer am überlegen, wie kann es diese Vehemenz oder diese Rohheit bekommen, von der ich immer träumte. Ich dachte, ein Bild muss einem wirklich entgegenstehen, das muss wirklich so wie ins Gesicht ragen. Es darf nicht irgendetwas ruhiges, kontemplatives, für sich in einem speziellen Raum sein. Es muss einem irgendwie auf den Wecker gehen.“

Um ihren Werken diese notwendige Eindrücklichkeit zu verleihen, geht sie oftmals weit über den Bilderrahmen hinaus und expandiert in den Raum. Nichts ist dabei vor ihrer Sprühpistole, mit der sie großflächig bunte Acrylfarben aufträgt, sicher. Wände, Fußböden und Decken bemalt sie ebenso wie Textilien, Mobiliar, Treppenhäuser, Gebäudefassaden, Rasen und Bäume. Das Publikum sieht sich angesichts der monumentalen Farbwirbel mit den Grenzen des visuell und sensitiv Erfahrbaren konfrontiert und wird selbst zum Bestandteil der dreidimensionalen Installationen. Nicht bei allen Arbeiten Grosses handelt es sich um Interventionen im öffentlichem Raum. Sie arbeitet auch im Atelier an Gemälden, die – wen wundert es – oftmals mehrere Quadratmeter groß ausfallen. Auch hier verwendet sie eine Sprühpistole, auch hier trägt sie Schicht für Schicht bunte Acrylfarben in abstrakten und dynamischen Strukturen auf. 

Katharina Grosse macht Malerei zu spektakulären Großprojekten

Katharina Grosses Kunst ist mit dem Wort Malerei schon lange nicht mehr hinreichend beschrieben. Sie designt, organisiert und managt künstlerische Großprojekte, die sie an Orten stattfinden lässt, die mal mehr, mal weniger mit Kunst zu tun haben. Im Jahr 2020 gestaltete sie in einer Art „künstlerischer Übernahme“ den Hamburger Bahnhof in Berlin. Das Hauptgebäude des Kunsthauses, die angrenzenden Rieck-Hallen sowie das Gelände drumherum machte sie zu ihrer persönlichen, nicht enden wollenden Leinwand. In der großen Halle des Ausstellungshauses installierte sie eine bis zu sieben Meter hohe abstrakte Struktur aus Styropor, für die 12 LKW notwendig waren, um sie nach Berlin zu schaffen. Im Schutzanzug und mit Sprühpistole am Teleskoparm bemalte Grosse dieses Gebilde sowie den Boden der Halle mit leuchtenden Acrylfarben. Sie machte aber innerhalb des Gebäudes nicht halt, sondern dehnte ihre bunten, graffitiähnlichen Farbfahnen auf die Außenwände und Zugänge der Rieck-Hallen sowie auf die umliegenden Wege aus.

Katharina Grosse bringt ihre Malerei aber auch an Orte, an denen man keine Kunst vermutet hätte. 2016 wurde sie vom MoMA PS1 in New York für das Projekt „Rockaway!“ am Strand von Fort Tilden in Queens eingeladen. Dort besprühte sie sowohl Gebäuderuinen als auch die unmittelbare Umgebung mit Rot, Magenta, Orange und Weiß. Aber auch dies war eine temporäre Arbeit, denn am Ende des Jahres sollten die Gebäude abgerissen werden.

Eine international gefragte Künstlerin

Katharina Grosse, 1961 in Freiburg/Breisgau geboren, stellt seit über 20 Jahren auf der ganzen Welt ihre Werke aus und wird von den Galerien Larry Gagosian und Johann König vertreten. Sie hatte unzählige Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem im Museum of Contemporary Art in Moskau, im Museum of Fine Arts in Boston, im chi K11 art museum in Shanghai, im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, im Kunstmuseum Graz, im De Appel Centre in Amsterdam, im Lenbachhaus in München und in der Villa Medici in Rom. Außerdem befinden sich ihre Werke in zahlreichen renommierten internationalen Sammlungen. Katharina Grosse wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Villa Romana und dem Oskar-Schlemmer-Preis, außerdem war sie viele Jahre Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und Neuseeland.

 

Titelbild: Katharina Grosse in ihrem Studio (2015), fotografiert von Andrea Stappert; CC BY-SA 4.0

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