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Keith Haring malt cartoonhafte Figuren mit schwarzen Linien an die Wand

Keith Haring – Unverwechselbarer Pop Art-Künstler

Der US-Amerikaner Keith Haring (1958-1990) zählt zu den einflussreichsten Künstlern der jüngeren Kunstgeschichte. In seiner kurzen, aber intensiven Karriere prägte er mit seinem unverkennbaren Stil die New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre. Er stellte in über 100 Einzel- und Gruppenausstellungen aus und machte die Street Art salonfähig.

Die Preise von Harings druckgrafische Arbeiten sind in den letzten Jahren teilweise um mehrere hundert Prozent gestiegen. Sie zählen derzeit – neben denen von Pop-Art-Ikonen wie Warhol und Lichtenstein – zu den am stärksten gefragten Kunstwerken in den USA.

Zwischen Kunst und Subkultur

Der 1958 in Pennsylvania geborene Haring malte zwischen 1980 und 1985 mit weißer Tafelkreide auf die schwarzen Oberflächen ungenutzter Werbetafeln des New Yorker U-Bahn-Netzes seine figürlichen Zeichen. Diese waren auf einen schnellen, linienförmigen Duktus reduziert. Er schuf so ein einzigartiges, performatives Werk im Verkehrsuntergrund der Metropole. Die auf diese Art zwischen 5.000 und 10.000 entstandenen „Subway Drawings“, ließen ihn schnell über die Grenzen der New Yorker Street Art-Szene hinaus zu einer Berühmtheit werden. Durch das flüchtige Medium der weißen Kreide und das stete Neuplakatieren der Reklametafeln sind bis heute jedoch nur wenige dieser Arbeiten im Original erhalten. Sie zählen damit zu den raren Schätzen auf dem internationalen Kunstmarkt.

Keith Haring und politische Pop Art als Sprachrohr

Neben seinen Kreidezeichnungen zeugen auch Harings großflächige Wandmalereien von der Absicht, seine Kunst jedermann zugänglich zu machen. Im öffentlichen Raum konnten diese Wandmalerein durch eine konsequente Zweidimensionalität, ihren schlichten, cartoonhaften Stil und harte Farbkontraste bestechen. Auf diese Weise wollte er mit einem breiten Publikum kommunizieren. Und das gelang ihm mit Erfolg: So wurde Haring Sprachrohr seiner Generation. In seinem umfangreichen Oeuvre ging er universellen Fragen von Geburt, Liebe, Krieg und Tod nach. Auf brisante Themen seiner Zeit, wie Diktatur, Rassismus, Drogensucht, Homophobie und Umweltzerstörung machte er ebenfalls aufmerksam. Dabei fällt auf, dass seine Botschaften nahezu gänzlich ohne Worte auskamen. Stattdessen waren sie durch die universelle Sprache von Chiffren in Form seiner charakteristischen und sich motivisch wiederholenden Linienfiguren für jeden lesbar.

Mit seinen klaren, politisch ambitionierten Bildwelten war Haring im Stande, notwendige Veränderungen in Gesellschaft und Politik anzustoßen. Mit dieser politischen Pop-Art erlangte er internationale Aufmerksamkeit und nahm mitunter an der Documenta 7 in Kassel teil. Während seiner Karriere arbeitete Haring zusammen mit einer Vielzahl renommierter Künstler wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat – sowie mit Madonna, Yoko Ono, Vivienne Westwood, Grace Jones, Bill T. Jones, William Burroughs, Timothy Leary und Malcolm McLaren.

Künstler und Aktivist

Nachdem bei Haring 1988 eine Infektion mit dem Aidsvirus diagnostiziert wurde, engagierte er sich die letzten zwei Jahre seines Lebens für verschiedene Anti-Aids-Kampagnen. Auch sein künstlerisches Schaffen widmete er der gesellschaftlichen Aufklärung dieser tödlichen Immunerkrankung. Am 16. Februar 1990 stirbt Keith Haring im Alter von 31 Jahren an den Folgen seiner Aids-Infektion. Er hinterlässt ein Gesamtwerk, das heute genauso relevant ist wie zur Zeit seiner Entstehung.

 

Titelbild: Keith Haring bei der Arbeit im Stedelijk Museum in Amsterdam, Rob Bogaerts (Nationaal Archief)

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