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Ob ein Gemälde, eine Grafik, eine Lithografie oder eine Skulptur einen größeren Wert besitzt, hängt in erster Linie davon ab, ob es sich um ein Original eines bekannten Künstlers handelt. Doch diese Feststellung ist alles andere als einfach. Als Laie lässt sich wohl gerade noch beurteilen, ob ein Gemälde tatsächlich mit Farbe auf Leinwand gemalt oder in einer Serie gedruckt wurde oder in welchem allgemeinen Zustand es ist. Auch lässt sich meist eine Signatur erkennen oder es liegt vielleicht sogar ein Zertifikat vor, das Hinweise auf den Künstler gibt. Der Weg zur Gewissheit, ob es sich um ein wertvolles Original oder Unikat handelt, kann aber unter Umständen noch deutlich länger werden.

Die Signatur – ein sicherer Hinweis auf die Herkunft?

Auf der Suche nach dem Urheber eines Werks liegt es nahe, die Künstler Signatur zu identifizieren und sich ausschließlich darauf zu verlassen. Doch reicht dies aus? Zumindest sind Signaturen ein sehr komplexes Thema: Da wäre zunächst das Problem, dass sie nicht immer auf den ersten Blick im Werk auffindbar sind, denn manche Künstler haben sie in ihren Werken geradezu versteckt. Außerdem haben nur die wenigsten Künstler ihre Arbeiten mit ihrem vollständigen Namenszug unterschrieben und so tragen viele Werke lediglich spezielle Künstler-Monogramme, -Kürzel oder -Symbole. Zudem haben manche Künstler im Verlauf ihrer Karriere ihre Signaturen, manchmal auch mehrfach, verändert. Daher ist für die Bestimmung anhand der Künstler-Unterschrift eine sehr gute Kenntnis des Signaturenkatalogs notwendig. Und generell gilt für die Signaturen leider wie auch für das gesamte Kunstwerk, dass auch sie sich fälschen lassen.

Expertise von Kunstsachverständigen und Materialexperten

Die Künstler Signatur zu identifizieren ist ein erster Anhaltspunkt, doch was ist zu tun, wenn weiterhin Zweifel bestehen? Dann bleibt nur noch, Kunstexperten zu Rate zu ziehen, die entweder durch Augenschein oder im Extremfall mit technischen Verfahren wie Röntgenstrahlen, Infrarotlicht und Pigmentanalysen für Klarheit sorgen.

In den allermeisten Fällen wird die Heranziehung eines Kunstsachverständigen für die Feststellung der Echtheit ausreichen. Er kann mit seinem geschulten Auge beurteilen, ob ein Werk dem Stil des fraglichen Künstlers entspricht, kann eine Datierung vornehmen und in diesem Zuge auch feststellen, in welcher Schaffensphase eines Künstlers ein Werk anzusiedeln ist.

Größtmögliche Sicherheit versprechen alle Techniken der Materialprüfung, die darauf abzielen, die Werkstoffe, aus denen eine Arbeit besteht, zu analysieren und mit anderen Werken des vermeintlichen Urhebers bzw. mit den typischen Herstellungsmethoden der fraglichen Epoche zu vergleichen. Bei Gemälden, Zeichnungen und Lithografien gibt bereits der Malgrund aussagekräftige Aufschlüsse, denn bereits ab dem 14. Jahrhundert brachten die Papiermühlen ihre jeweiligen Wasserzeichen in die Papierbögen ein. Diese sind aber meist durch Tinte oder Farbe verdeckt und müssen zum Beispiel mit Hilfe von Infrarotlicht sichtbar gemacht werden.

Wurden bei einem Kunstwerk Farben verwendet, können deren Inhaltsstoffe mit Hilfe von UV-Licht oder Röntgenstrahlen identifiziert werden. Nimmt man sogar leichte Verletzungen des Kunstwerks in Kauf, lassen sich anhand winziger Proben von Textilfasern oder Ölfarben sehr präzise Alter und Herkunft der Materialien bestimmen. Wenn dann  in den Analyseergebnissen beispielsweise Pigmente nachweisbar sind, die nicht zu der Zeit oder auch der geografischen Region des fraglichen Künstlers passen, ist Vorsicht geboten.

Foto: Gerhard Richter. Blattecke, 2017, nummeriert, handsigniert, Offsetdruck auf Halbkarton, gerahmt, 36,5 x 30 cm. Zu erwerben über das Kunsthaus ARTES.

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