Jetzt schätzen lassen

Der Klassizismus vorgestellt: Entstehung, Merkmale und VertreterWoran lassen sich klassizistische Werke erkennen? Wir stellen Ihnen diese Kunstströmung und ihre Merkmale genauer vor.

„Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten.“
[Johann Joachim Winkelmann]

Entstehung und Entwicklung

Der Klassizismus ist eine kunstgeschichtliche Epoche zwischen 1770 und 1840, die sich international in der bildenden Kunst und Architektur niederschlug. Vom Begriff Klassik abgeleitet besann sich diese Epoche auf die römische und griechische Antike, sowie im Bereich der Malerei auf die italienische Renaissance zurück.

Wissenschaftliche Studien zu antiker Kunst galten dabei als Basis für die stilistische Ausprägung des Klassizismus. So orientierte sich dieser Stil an antiken Formen und Motiven und bildet mit seinen klaren Linien und der strengen Geometrie ein ästhetisches Gegenprogramm zum vorhergehenden überschwänglichen Barock. Als geistiger Begründer des Klassizismus gilt der deutsche Archäologe, Antiquar und Bibliothekar Johann Joachim Winckelmann (1717-1768). Sein Bild der römischen und griechischen Antike beeinflusste insbesondere den Klassizismus im deutschsprachigen Raum nachhaltig.

Nach der Französischen Revolution verbreitete sich der Klassizismus ab ca. 1790 durch Napoleon Bonapartes Feldzüge in Westeuropa und löste den, an den europäischen Königshäusern und Höfen vorherrschenden und bis dahin von Aristokratie und Kirche bestimmten, pompösen Barock- und Rokokostil ab.

Merkmale des Klassizismus

Übersichtliche Kompositionen aus klassischen Grundformen wie Dreieck, Kreis, Säule und Quadrat prägen die Werke des Klassizismus, insbesondere in der Architektur. Im Bereich der Plastik eifern die klassizistischen Bildhauer dem Ideal der antiken Plastik nach. So werden die einansichtigen Skulpturen oftmals in göttergleicher Nacktheit auf Sockeln dargestellt. Bei der Materialwahl dominieren reine und edle Werkstoffe wie Marmor und Bronze.

Das Oeuvre der klassizistischen Malerei wiederum umfasst eine Vielzahl an Historienbildern sowie Porträtmalereien. Häufig finden sich klassizistische Architekturelemente in den Bildthemen der Malerei dieser Epoche wieder. Neben diesen Elementen, klaren Linien, einfachen Formen und einer strukturierten Gliederung übernehmen die klassizistischen Maler die isolierte Darstellung von Figuren und bühnenhafte Bildarrangements aus der Kunst der Antike. Auf Fülle, Ornamentik und Ausschmückung aller Art wird verzichtet.

Farbe hat in klassizistischen Gemälden eine untergeordnete Bedeutung. Die emotionalen Aspekte der Farbe werden vernachlässigt. Diese betont lediglich die Stofflichkeit und körperliche Plastizität. Die Farbharmonien sind kühl und zurückhaltend. Die konturbestimmte, auf feinen Linien basierende, Umrisszeichnung herrscht vor und die Figuren heben sich linear von ihrem Bildhintergrund ab, wirken oft blockhaft und selten raumgreifend. Die ersten klassizistischen Gemälde entstanden in Frankreich und zeichneten sich durch ihre auf Vernunft und Rationalität gelenkte kühle Klarheit aus. Im deutschsprachigen Raum waren die Werke in ihrer Bildkomposition meist weniger streng aufgebaut, da hier der Klassizismus von der kunstgeschichtlichen Epoche der Romantik in Malerei und Literatur begleitet wurde. So erhielten lyrische und romantische Bildelemente zu dieser Zeit Einzug in die Malerei des Klassizismus.

Wer sind bedeutende Vertreter des Klassizismus?

Zu den bedeutenden Vertretern des Klassizismus zählen Karl Friedrich Schinkel (1781-1841),  Leo von Klenze (1784-1864), Claude-Nicolas Ledoux (1736-1806), Anton Raphael Mengs (1728-79) sowie Robert Adam (1728-92) in der Architektur; Jacques-Louis David (1748-1825),Jean-Auguste Dominique Ingres (1780-1867) und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) in der Malerei; der Italiener Antonio Canova (1757-1822), der Däne Bertel Thorvaldsen (1770-1844), Johann Gottfried Schadow (1764-1850) und dessen Schüler Christian Daniel Rauch (1777-1857) in der Bildhauerei.

Titelbild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Goethe in der Campagna

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.